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Ein Gewinn im Schulalltag

Junge Frau steht lächelnd und selbtsbewusst mit verschränkten Armen vor ein paar Kindern im Grundschulalter, die an Tischen sitzen und arbeiten.
Ein Bericht aus dem Schulalltag © Canva

Wie können Lehrkräfte SchülerInnen in Zeiten von Leistungsdruck und Ängsten effektiv unterstützen? Neurolinguistisches Programmieren (NLP) bietet praxisnahe Methoden, um Ängste abzubauen, Selbstvertrauen zu stärken und Potenziale zu fördern. Der Artikel zeigt, wie NLP durch ressourcenorientierte Haltungen, Rapport und Selbstwirksamkeit im Unterricht integriert werden kann. Diese Ansätze schaffen eine motivierende Lernatmosphäre, stärken die Klassengemeinschaft und helfen SchülerInnen, Herausforderungen selbstbewusst zu meistern. Entdecken Sie, wie NLP die Haltung der Lehrkraft und den Lernprozess positiv verändert. Ein Erfahrungsbericht aus der Sicht eines Lehrers von Jean-Claude Eichenseher

Im Zeitalter des digitalen Wandels und der stetig steigenden Anforderungen an SchülerInnen, die zunehmend unter Leistungsdruck, Ängsten, Selbstzweifeln oder Lernblockaden leiden, stellt sich für uns Lehrkräfte eine entscheidende Frage: Wie können wir unsere Schüler nicht nur fachlich, sondern auch persönlich optimal unterstützen? Für mich liegt die Antwort unter anderem in der Anwendung des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) im Unterricht. Anfangs war ich skeptisch, ob NLP angesichts des straffen Lehrplans überhaupt praktikabel im Unterricht eingesetzt werden könnte. Doch ich begann in kleinen Schritten, NLP Methoden dort zu integrieren, wo es sich anbot. Schnell stellte ich fest, dass NLP eine Vielzahl von Werkzeugen bereithält, die Ängste abbauen, Selbstvertrauen stärken und Ziele klarer definieren können. Heute ist NLP aus meinem Unterricht nicht mehr wegzudenken.

"OB DU DENKST, DU KANNST ES ODER DU KANNST ES NICHT - DU WIRST AUF JEDENFALL RECHT BEHALTEN."

Amerikanischer Erfinder
HENRY FORD

Die Haltung des Lehrers: Ressourcen entdecken und fördern

Ein zentrales Element des NLP sind die sogenannten Vorannahmen – Grundhaltungen im Umgang mit Menschen. Besonders prägend für meine Arbeit sind zwei dieser Annahmen:

  1. „Jeder Mensch hat alle Ressourcen in sich.“
  2. „Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.“

Diese Grundsätze haben meine Wahrnehmung und Haltung als Lehrer revolutioniert. Ich gehe davon aus, dass jeder Schüler die Fähigkeit zur positiven Veränderung in sich trägt und dass jedes Verhalten, selbst wenn es störend wirkt, eine positive Absicht hat. Diese ressourcenorientierte Haltung verändert den Blick auf SchülerInnen grundlegend. Ein Schüler, der beispielsweise nicht zuhört, wirkt auf den ersten Blick unmotiviert oder gar ablehnend. Doch mit dieser Haltung frage ich mich: Was braucht dieser Schüler, um sich zu konzentrieren? Welche Hindernisse stehen ihm im Weg? Diese Umdeutung setzt Energien frei, die ich vorher oft mit Frustration vergeudete. Stattdessen entwickle ich eine neugierige Haltung und arbeite gemeinsam mit dem Schüler und den Eltern daran, die Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Als Lehrer werde ich so zum Begleiter und Impulsgeber. Ich helfe den SchülerInnen, ihre Potenziale zu erkennen, Hindernisse zu überwinden und Erfolge zu feiern. Diese ressourcenorientierte Sichtweise stärkt nicht nur meine eigene Haltung, sondern auch das Selbstbild der SchülerInnen nachhaltig. Um diese Grundhaltungen zu verankern, habe ich die Vorannahmen des NLP in schülergerechte Klassenregeln umformuliert und wir nutzen diese nun als Orientierung für den Umgang miteinander.

Rapport: Verbindung schafft Vertrauen

Ein weiterer wichtiger Aspekt des NLP ist der Rapport, also der Aufbau einer positiven Verbindung zwischen Lehrkraft und SchülerInnen. Dies gelingt durch einfühlsames Eingehen auf die Bedürfnisse der SchülerInnen, etwa durch Spiegeln von Körpersprache, Sprachstil oder Sprechtempo.

Auch mit Gruppen lässt sich Rapport aufbauen, indem man nicht nur die Verbindung zu Einzelnen stärkt, sondern gleichzeitig die Klassengemeinschaft als Einheit fördert. Vertrauen und Wertschätzung bilden hier die Grundlage für eine produktive Zusammenarbeit.

Ein abwechslungsreicher Unterricht, der alle Sinne (VAKOG: visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch, gustatorisch) anspricht, trägt ebenfalls dazu bei, SchülerInnen besser abzuholen und ihre individuellen Lernvorlieben zu berücksichtigen. Besonders hilfreich finde ich dabei die logischen Ebenen von Robert Dilts, die es ermöglichen, Themen wie Romanfiguren, historische Epochen oder soziale Gruppen ganzheitlich zu erleben.

Selbstwirksamkeit aktivieren: Jeder kann lernen!

Ein zentraler Punkt im NLP ist das Konzept der Selbstwirksamkeit – die Überzeugung, dass man selbst in der Lage ist, Herausforderungen zu bewältigen. Im Unterricht begegne ich oft Sätzen wie: „Das kann ich nicht“ oder „Das ist zu schwer“. Solche Überzeugungen blockieren den Lernprozess.

Um diese Denkmuster zu durchbrechen, arbeite ich mit meinen SchülerInnen daran, allgemeingültige Ressourcen zur Veränderung zu entwickeln. Ein Beispiel: Wir sprechen darüber, wie ein Baby laufen lernt. Niemand erwartet von einem Baby, dass es sofort sicher läuft. Doch mit jedem Versuch, jedem Hinfallen und Aufstehen wird es besser – bis es schließlich mühelos läuft.

Diese Analogie zeigt, dass Lernen ein Prozess ist und dass Scheitern ein notwendiger Teil davon sein kann. Wenn die SchülerInnen erkennen, dass sie prinzipiell alles lernen können, wenn sie es wirklich wollen, verändert sich oft ihre Wahrnehmung. Sie beginnen, Herausforderungen als Chance zu sehen und entwickeln ein wachsendes Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.

State Management: Emotionen steuern lernen

Ein weiteres NLP-Tool, das ich häufig nutze, ist das State Management. Viele Schüler starten morgens müde in den Tag und sagen: „Ich kann jetzt noch nicht denken.“ Doch gerade für frühmorgendliche Klassenarbeiten ist es wichtig, in einen aktiven Zustand zu kommen.

Indem wir Strategien erarbeiten, wie SchülerInnen gezielt ihre Stimmung über Körperhaltung, Atmung oder Bewegung beeinflussen können, steigern wir nicht nur die Konzentration, sondern auch das Bewusstsein für die eigene Steuerungsfähigkeit. SchülerInnen lernen, dass sie selbst entscheiden können, wie sie sich fühlen – und dass sie Mittel und Wege haben, um sich in einen aktiveren oder entspannteren Zustand zu versetzen.

Perspektivenwechsel: Empathie fördern, Konflikte lösen

Eine weitere Methode, die ich regelmäßig einsetze, ist der Perspektivenwechsel mit dem NLP-Format „1, 2, 3 Meta“. Dabei betrachten die SchülerInnen eine Situation aus drei Perspektiven: der eigenen, der des Gegenübers und der eines neutralen Beobachters.

Dieses Format schult nicht nur die Empathie, sondern fördert auch kritisches Denken und hilft, Konflikte lösungsorientiert anzugehen. Es lässt sich besonders gut in Gruppen durchführen, indem das Klassenzimmer räumlich in verschiedene Perspektivenbereiche eingeteilt wird.

Motivation und Ressourcen aktivieren mit Fantasiereisen und Mentoren

Die Arbeit mit den VAKOG-Sinnen hat sich auch bei der Motivation und der Aktivierung von Ressourcen als äußerst wirksam erwiesen. Besonders hilfreich sind hier Fantasiereisen, bei denen die Klasse in einen ressourcenreichen Zielzustand geführt wird. Dabei stellen sich die SchülerInnen mit allen Sinnen eine Zukunftsvision vor: Wie fühlt es sich an, ein Ziel erreicht zu haben? Was sieht, hört und spürt man? Diese intensiven Sinneseindrücke steigern nicht nur die Motivation, sondern stärken auch das Selbstbewusstsein. Eine weitere Methode, die ich häufig nutze, ist die Arbeit mit mentalen Mentoren. Hierbei wählen die SchülerInnen eine bewunderte Persönlichkeit oder einen „Helden“, dessen Stärken sie übernehmen können. In herausfordernden Situationen stellen sie sich dann die Frage: „Wie würde mein Mentor dieses Problem lösen?“ Diese einfache, aber effektive Technik löst Blockaden und versetzt die SchülerInnen in eine lösungsorientierte Haltung.

Individuelle Bedürfnisse verstehen: Metaprogramme im Unterricht

Ein Mann und ein Mädchen stehen einer Tafel zugewandt. Die Tafel ist von oben bis unten voll beschrieben mit unterschiedlichen Formeln.
Lernen mit NLP © Canva

Ein weiterer wertvoller Ansatz, um SchülerInnen besser zu verstehen und gezielt zu fördern, ist die Arbeit mit Metaprogrammen. Diese beschreiben, wie Menschen Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen. Während manche Schüler beispielsweise durch das Visualisieren positiver Ziele motiviert werden, fühlen sich andere eher angespornt, wenn sie dem Zustand des „Nicht-Könnens“ entkommen möchten. Auch die Arbeitsweise variiert: Manche Schüler arbeiten lieber alleine, während andere im Team bessere Ergebnisse erzielen. Diese individuellen Unterschiede zu erkennen und den Unterricht entsprechend anzupassen, hat mir geholfen, SchülerInnen auf ihrem Weg gezielt zu unterstützen. Die Berücksichtigung der Metaprogramme ermöglicht eine feinfühlige Gestaltung des Lernumfelds, das sowohl die Stärken als auch die Vorlieben der einzelnen Kinder in den Mittelpunkt stellt.

Fazit

Die Integration von NLP in meinen Unterricht hat sich nachhaltig positiv ausgewirkt – auf das Verhalten und die Leistungen der SchülerInnen, auf das Klassenklima und auf meine eigene Haltung als Lehrer. SchülerInnen lernen, ihre Ressourcen zu nutzen, ihre Wahrnehmung zu erweitern und andere Meinungen zu respektieren.

Für mich als Lehrer bedeutet NLP, dass ich nicht nur Wissen vermittle, sondern auch Werte, Einstellungen und Strategien, die weit über die Schulzeit hinaus Bestand haben.

Ich wünsche mir, dass mehr KollegInnen den Mut finden, NLP auszuprobieren. Es ist kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug, das den Unterricht auf eine ganz neue Ebene heben kann – zum Wohle der SchülerInnen und der Lehrenden gleichermaßen.

  • Ängste abbauen:Jeder Schüler hat Potenziale, die durch eine wertschätzende Haltung und gezielte Unterstützung gefördert werden können.
  • Rapport schaffen:NLP-Methoden helfen, Selbstvertrauen aufzubauen, Lernblockaden zu lösen und Herausforderungen als Chancen wahrzunehmen.
  • Selbstwirksamkeit fördern:Vertrauen und Verbindung zwischen Lehrkräften und SchülerInnen stärken die Klassengemeinschaft und fördern ein positives Lernklima.
  • Emotionen regulieren:SchülerInnen lernen, ihre Fähigkeiten zu erkennen, Hindernisse zu überwinden und Herausforderungen aktiv anzugehen.
  • Ganzheitliches Lernen fördern:Mit State Management entwickeln SchülerInnen Strategien, um Stimmung und Konzentration gezielt für erfolgreiche Lernprozesse zu steuern.
  • NLP als Bereicherung für den Schulalltag:Durch multisensorische Ansätze (VAKOG) werden individuelle Lernstile berücksichtigt, was Motivation und Lernerfolg nachhaltig steigert.
Portrait von Jean-Claude Eichenseher.

Jean-Claude Eichenseher

Autor

Jean-Claude Eichenseher ist ein engagierter Deutschlehrer und Berufsberater in Luxemburg, der mit NLP-Techniken Schüler dabei unterstützt, ihr Selbstvertrauen zu stärken und ihre persönlichen Stärken zu entfalten.