Konversationshypnose mit nur einem Wort

Welche Macht das Wort hat, zeigt Marian Zefferer in der Serie "Das L im NLP".
Was meint Konversationshypnose?
Mit Hypnose assoziieren die meisten, dass jemand die Augen geschlossen hat, halb schläft und fast wie kataleptisch da liegt. Deswegen haben sich viele angewöhnt, von Konversationshypnose anstatt von Hypnose zu sprechen, wenn "Hypnose mit offenen Augen" gemeint ist. Diese kann also in der Kindererziehung, im Verkauf oder bei einem Plausch im Café mit einem Freund genutzt werden. Das "normale Alltagsgespräch" würzen wir jedoch zusätzlich mit hypnotischen Prinzipien, um unsere Wirksamkeit zu erhöhen
Was sind hypnotische Prinzipien? Es gibt viele hypnotische Prinzipien, im Endeffekt geht es immer darum, wirksam zu werden im Kontakt. Die Frage, die also gestellt wird, lautet: „Wie kann ich mit dem, was ich sage, mehr Einfluss gewinnen?“ Ein solches Prinzip handelt zum Beispiel davon, dass wir Suggestionen auf Basis der zweiten Wahrnehmungsposition erstellen. Wir nutzen also die Worte, die bei unserem Gegenüber die richtigen Assoziationen auslösen. Wenn unser Gegenüber zum Beispiel nicht weiß, dass mit Hypnose auch „Hypnose mit offenen Augen meint“, würden wir eher den Begriff Konversationshypnose wählen. Da dieser Begriff – selbst wenn man ihn nicht kennt – eher die Assoziation im Gehirn auslöst, die wir auslösen wollen.
„Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt.“
Joseph Rudyard Kipling
britischer Schriftsteller und Dichter
Ein weiteres Prinzip beschäftigt sich mit der Wiederholung. Dinge, die wiederholt werden, bleiben leichter im Gedächtnis und haben in der Regel mehr Wirksamkeit. Weitere Prinzipien beschäftigen sich mit dem Konzept des Widerstands oder einer bildhaften Sprache. All diesen Prinzipien ist schlussendlich übergeordnet, dass wir im Kontakt wirksam werden wollen. Welche Prinzipien es noch gibt und wie sie auf uns wirken, ist das Thema einer zukünftigen Ausgabe von der Serie: „Das L im NLP“
Wie hypnotisiere ich mein Gegenüber im Gespräch?
Die Wahrheit? Das tun wir ständig. Erinnern wir uns, schlussendlich geht es in der Hypnose um Wirksamkeit. Wenn der andere also „Ja“ zum Kinobesuch sagt, sind wir wirksam geworden. Doch wir kennen auch Situationen, in denen es uns dies nicht gelingt. Zum Beispiel, wenn es unserer besten Freundin miserabel geht und wir versuchen sie – mit Worten – aufzuheitern, doch ihr Gemütszustand bleibt unverändert.“ Oder unser Kind schreibt eine schlechte Note in der Schule und wir versuchen ihm „einzureden“, dass dies auch eine Lernchance ist, aber schlussendlich geht es ihm dadurch überhaupt nicht besser.
Ich ging einmal mit dem festen Vorsatz, etwas zu kaufen, in ein Geschäft. Ich hatte nur eine einzige Frage an den Verkäufer, die Art und Weise wie er mit mir geredet hat, hat dazu geführt, dass ich nichts gekauft habe, obwohl ich das Produkt nach wie vor gebraucht hätte! In all diesen Fällen kann Gesprächshypnose helfen. Wie können wir trotz – oder gerade wegen – schwieriger Umstände wirksam werden im Kontakt?
Hypnoseinduktion mit einem Wort
Hypnotische Gesprächsführung und Sprachmuster beschäftigen sich mit Fragetechniken, Phrasen, Satzstrukturen, Konnotationen und vielem mehr. Dieser Artikel widmet sich „Ein-Wort-Hypnose-Induktionen“. Also Wörter, die in der Regel ganz alleine die Macht haben, einen Shift im Gespräch zu bewirken.
Das Wort, um das Mindset Deines Gegenübers zu verändern
„Ich kann das nicht“, sagt der 14-jährige Paul und wirft das Mathebuch auf den Boden. Die Lehrerin ignoriert den Umstand, dass Schulbuch werfen nicht erlaubt ist und kontert mit „Du kannst das noch nicht.“ Dies ist laut Studien von Carol Dweck ein echtes Zauberwort. Das Wort „noch“ suggeriert, dass es in Zukunft anders sein könnte, ohne irgendetwas hinzuzufügen.
Ich bin nicht kompetent genug.
→ Du bist noch nicht kompetent.
Ich bin zu langsam.
→ Noch bist Du langsam.
Ich verstehe das einfach nicht.
→ Du verstehst es noch nicht.
Marian Zefferer, MSc, ist Psychologe, NLP-Lehrtrainer und Podcast-Host von „Psychologie der Worte: Mit Worten bewegen, beeinflussen, gestalten“, sowie Co-Host vom „World of NLP-Podcast“. Seine Superpower? Komplexe Inhalte in leuchtende Aha-Momente zu verwandeln. Mit seiner großen Leidenschaft für Online-Didaktik macht er schwierige Themen so greifbar, dass sie wie Früchte erlebt werden, die reif zum Pflücken sind. Als WONPartner bietet er regelmäßig Webinare & Ausbildungen in der World of NLP zu den Themen Storytelling, NLP & Didaktik an.
Gepaart mit dem hypnotischen Prinzip der Wiederholung – die Lehrerin nutzt das Wörtchen „noch“ mehrmals pro Stunde – führt diese Intervention laut Dweck zu einem sogenannten Growth-Mindset. Also einem Selbstbild, bei dem die Kinder mit der Zeit davon ausgehen: „Ich kann mich verändern.“ Auch in Selbstgesprächen kann das Wort im Sinne der Selbstsuggestion Anwendung finden. Anstatt zu sagen: „Ich bin nicht musikalisch“, wäre es genauso möglich zu sagen: „Ich bin noch nicht musikalisch.“ Die Wirkung ist eine völlig andere, sofern man Interesse hat, musikalischer zu werden.
Namen haben Macht, nutzt Du sie? Ich war 15, als ich in Dale Carnegies Buch las, man solle andere Menschen mit ihrem Namen ansprechen. Ich schüttelte nur den Kopf. Das ist doch vollkommen unnatürlich. „Tschüss“ klingt normal, aber „Tschüss, Benjamin“, klingt so, als ob ich mir unsicher wäre, ob ich den Namen meines Gegenübers noch weiß. Wenige Wochen später verabschiedete ich mich nach dem Aikido-Training von meinem Meister mit „Tschüss“. Er antwortete: „Tschüss, Marian.“ In dem Moment fühlte ich mich gesehen und wahrgenommen. Ein unglaublich starkes Gefühl, für die banale Nutzung von gerade einmal zusätzlichen 6 Buchstaben. Und genau diese Macht hat unser Name. Er schenkt uns Identität und führt zu besseren Beziehungen, wenn wir ihn nutzen. Ab diesen Tag verabschiedete ich mich anders, vielleicht probierst Du es auch mal aus
Vom Problem direkt in die Lösung springen. Kennst Du Freude oder Kollegen, die vor allem wissen, was sie nicht(!) wollen? Wären es nicht fantastisch, ein Wort an der Hand zu haben, um diese Menschen aus der sogenannten Problemtrance in eine Lösungstrance überzuführen? Ein Wort, mit dem endlose Diskussionen darüber, was alles nicht funktioniert, ein Ende haben? Dieses Wort gibt es und es heißt „sondern…?“.
Wer die Macht der Wörter nicht kennt, kann auch die Menschen nicht kennen.“ Konfuzius
Durch dieses Wort wird eine Realität erschaffen und wir können uns ein wenig in dieser neuen Realität bewegen. In dieser neuen Realität kommt es oft zu neuen Gedanken, Gefühlen und teilweise auch Glaubenssätzen über uns selbst. Diese Methode ist also sehr effektiv, wenn es um drastischere Änderungen geht. Das nächste Mal, wenn sich ein Freund von Dir darüber beklagt, dass es schwer ist, sich selbstständig zu machen, kannst Du ihn direkt in eine mögliche Lösung schicken: „Mal angenommen, Du hast Dich erfolgreich selbstständig gemacht… In welcher Weise hat sich dann Dein Leben verbessert? Was schätzt Du an diesem Leben besonders gerne?“
Ich will nicht so dick sein.
→ Sondern?
Ich will nicht ewig angestellt sein.
→ Sondern?
Ich möchte nicht allein sein.
→ Sondern, was wünschst Du Dir stattdessen?
Ob als ein Wort oder als Phrase, es hilft, aus den negativen Denkbahnen auszusteigen und neue Gedankengebilde zu erschaffen. Diese sind oft der erste Schritt für eine dramatische Besserung. Denn nur wenn Dein Gehirn weiß, wie Dein Wunschzustand aussieht, kann es sich auch auf ihn zubewegen.
Angenommen Du bist reich und erleuchtet Wie kannst Du die Gedanken und das Mindset Deines Gegenübers sofort verändern? Genau, indem Du einen neuen Film im Gehirn Deines Gegenübers anregst und das gelingt durch das Wort „angenommen“.
»Angenommen, Dein Problem ist bereits gelöst, wie hast Du das geschafft?
»Angenommen, Du bist jetzt schon sportlich, wie würde sich Dein Alltag verändern?
»Angenommen, Du bist sehr belesen, was würdest Du speziell lesen?
»Angenommen, Du bist reich und erleuchtet...
Hypnose ist ein Beziehungsphänomen Es gab zumindest früher Hypnoseforscher, die behauptet haben, Hypnose funktioniert nur in ca. 50 % der Fälle. Diese Idee geht auf Studien zurück, in welchen unter anderem ein Tonband von einer Hypnose abgespielt wurde und nur ein Teil der Probanden hypnotische Phänomene (wie Katalepsie, visuelle Halluzinationen, etc.) produzieren konnten. Was im Gegensatz zu einem Tonband deutlich machtvoller wirkt, ist die Beziehung. Es gibt viele Studienergebnisse, die zeigen, wenn wir unser Gegenüber mögen, sind wir eher bereit, einer Bitte nachzukommen. Das wird auch bei Geiselverhandlungen genutzt. Zuallererst versucht der Verhandler hier eine Beziehung zum sogenannten Täter aufzubauen, erst im Anschluss wird Einfluss ausgeübt.

So ist es auch in der Hypnose. Ein Wort, welches Verbindung schaffen kann, ist das Wörtchen „Wir“. Schau Dir den Vergleich an:
Du tust Dir schwer, andere Meinungen zu akzeptieren. Versuche…
→ Wir tun uns oft schwer, andere Meinungen zu akzeptieren. In so einem Fall kann man…
Es ist wichtig, hier mit möglichst wenig Aufwand durchzukommen.
→ Wir wollen beide mit möglichst wenig Aufwand durchkommen.
Du schaffst das.
→ Wir schaffen das gemeinsam.
Zugegebenermaßen ist die Verwendung schon etwas fortgeschritten und man kann das Wort auch missbrauchen. Zum Beispiel, indem man sagt „Wir müssen den Gürtel enger schnallen“ und man sich selbst damit gar nicht meint, sondern nur seine Zuhörer.
Gesprächshypnose im Alltag
Fassen wir zusammen. Wir „hypnotisieren“ uns alle ständig gegenseitig. Wenn wir wirksamer kommunizieren wollen, können uns die hypnotischen Prinzipien dabei helfen. Als erster kleiner Einstieg in die „hypnotische Sprache“ helfen uns Wörter wie: angenommen, wir, noch, sondern oder auch das direkte Ansprechen des Namens unseres Gegenübers. Damit können wir neue Realitäten kreieren (angenommen), Blockaden überwinden (noch), Probleme verändern (sondern…) oder Verbindung schaffen (Namen aussprechen & wir). Angenommen, Du würdest eines dieser Worte öfter in Deinem Alltag anwenden, wie würde sich das auswirken? Was könnte sich dadurch positiv verändern? In welcher Beziehung könnte welches Wort vielleicht besonders hilfreich sein?
Du siehst, selbst geschriebene Texte können hypnotisch wirken. Wie sich die Textpsychologie von der gesprochenen Hypnose unterscheidet, erfährst Du ebenso in zukünftigen Artikeln der Reihe „Das L im NLP“.
