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Die Geschichte selbst schreiben

Ein Diagramm, das die Veränderung von historischen Daten und deren Einfluss auf zukünftige NLP-Anwendungen darstellt
Ein Diagramm zur Veranschaulichung des Change-History-Formats im NLP. © World of NLP

Zurück in die Vergangenheit reisen, um negative Erfahrungen aufzulösen.

Es gibt zahlreiche Science Fiction-Filme, die von Zeitreisen handeln. In dem Film „Zurück in die Zukunft!“ baut der Wissenschaftler Doc Brown einen Sportwagen zu einer Zeitmaschine um.

1985 reist der Teenager Marty McFly mit dieser Zeitmaschine in die 50er Jahre zurück. Dabei stellt er das komplette Zeitkontinuum seines Lebens auf den Kopf.

Marty McFly trifft seine Eltern in jungen Jahren, die sich gerade erst kennenlernen. Um seine Existenz zu retten, verkuppelt er beide miteinander. Während seines Aufenthalts bemerkt Marty McFly, dass er viele Ereignisse gerne verändern würde, um den Verlauf der Zukunft zu beeinflussen. Doch, da er nicht weiß, was daraufhin passiert, lässt er es lieber bleiben.

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, seine Geschichte selbst schreiben zu können? Viele Menschen möchten in die Zeitmaschine von Doc Brown einsteigen, um Geschehenes ungeschehen zu machen und einen Teil ihres Lebens einfach auszuradieren.

Andere hingegen wünschen sich, neue Ereignisse in der Vergangenheit zu kreieren, um die Zukunft positiv zu beeinflussen. Dabei spielt stets die Frage „Was wäre aus mir geworden, wenn ich dies und das nicht erlebt hätte oder genau das erlebt hätte?“ eine große Rolle.

Das Change-History-Format aus dem NLP bezieht sich auf die Vergangenheitsarbeit. Mittels einer Zeitlinie soll sich der Coachee in eine vergangene Situation, die bei ihm negative Gefühle auslöst, hineinversetzen.

Er betrachtet sich selbst aus der Meta-Position und überlegt sich dabei, welche Ressourcen sein damaliges Ich gebraucht hätte, um die Situation erfolgreich zu meistern. Daraufhin lässt der Coachee die Ressourcen zu seinem früheren Ich hinfließen.

Der Coachee beginnt, sich deutlich besser zu fühlen.

ANWENDUNG VON DEM FORMAT CHANGE HISTORY AN EINEM FALLBEISPIEL

Hendrik Berater für Finanzdienstleistungen, möchte seine beruflichen Ziele vorantreiben. Er erinnert sich noch gut an ein Meeting mit seinen Kollegen, in dem er durchgedreht ist. In dieser Zeit war er sehr unzufrieden mit seinem Job. Er arbeitete viel zu lange und hatte anstrengende Kunden. Eine blöde Bemerkung seines Kollegen reichte aus und Hendrik war völlig aus dem Häuschen. Natürlich hätte er sich gewünscht, während des Meetings die Ruhe zu bewahren. Doch er konnte sich nicht zurückhalten. Das Meeting musste unterbrochen werden.

Schritt 1: Zurück in die Vergangenheit

In einem Coaching lernt Hendrik das Change-History-Format kennen. Mithilfe dieser Methode kann er das negative Ereignis verarbeiten und sich in Zukunft passender verhalten, sollte er nochmal in eine ähnliche Situation kommen.

Zunächst versetzt er sich in die vergangene Situation, indem er sein Umfeld durch seine eigenen Augen wahrnimmt. In seiner Vorstellung unterhalten sich die Mitarbeiter im Meetingraum über die Erweiterung des Beratungsangebots. Ein Kollege wehrt sich gegen jegliche Veränderungsmaßnahmen.

Das führt zu einer starken Unruhe im Raum. Hendrik spürt viel Wut und Nervosität in sich, wie damals. Angstschweiß überkommt ihn. Genau in diesem Moment holt ihn sein Coach ins Hier und Jetzt zurück. Hendrik verlässt den negativen Zustand, atmet tief durch und entspannt sich nach und nach.

Vorstellung vs. Realität

Das menschliche Gehirn unterscheidet nicht zwischen Vorstellung und erlebter Realität. Ein Horrorfilm löst Stresshormone, wie Adrenalin, aus, während eine Komödie dafür sorgt, dass der Körper stimmungsaufhellende Hormone, wie Serotonin und Oxytocin, produziert.

Durch das Ansehen eines Films kann das Unterbewusstsein programmiert werden. Das gilt sowohl für den Film im Fernsehen als auch für den Film, der in der eigenen Vorstellung gedreht wird.

Schritt 2: Ressourcen finden

Im nächsten Schritt betrachtet Hendrik die Situation von außen, aus der sogenannten Meta-Position. Dabei überlegt er sich, welche Ressourcen er damals gebraucht hätte, um das Meeting gelassener durchzustehen. „Geduld, Konzentration und Zuversicht…“, murmelt er. Dann stellt sich Hendrik vor, dass diese Ressourcen zu seinem damaligen Ich hinfließen.

Er denkt auch an einen guten Freund, der ihn immer wieder beschwichtigt, wenn er gestresst ist. Oft gehen sie gemeinsam bowlen und trinken ein Feierabendbierchen. Vor seinem inneren Auge nimmt Hendrik seinen Freund wahr, der zu seinem damaligen Ich geht, ihm auf die Schulter klopft und sagt: „Beruhige dich doch erst einmal. Wir beide packen das schon – wie in den guten alten Zeiten!“.

Filmregisseur werden

Mithilfe dieser Visualisierungsübung erschafft Hendrik einen Film mit sich in der Hauptrolle. Er wird Regisseur seines eigenen Lebensfilms. Und noch besser: Er verdrängt ein negatives Erlebnis nicht einfach, sondern er durchlebt es erneut und verändert daraus in seine Gefühle zur Situation.

Eine Verdrängung dient normalerweise als Abwehrmechanismus, um bedrohliche Vorstellungen und Erfahrungen vom Bewusstsein fernzuhalten. Macht sich Hendrik aber bewusst, dass er die vollständige Kontrolle über seine Gefühlswelt hat, so muss er sich nicht länger vor der Anschauung negativer Erlebnisse fürchten. Er kann Erinnerungen vollkommen angstfrei zulassen.

Schritt 3: Der Öko-Check

Hendrik taucht schließlich erneut in die vergangene Situation ein. Er möchte überprüfen, ob er sich nun besser fühlt, wenn er sich an das Meeting zurückerinnert. Dabei nimmt er das Ereignis mit den neuen Ressourcen durch seine eigenen Augen wahr. „Der Bezug zur Erfahrung ist auf einmal sehr positiv“, sagt er. „Wenn ich das Ereignis so vor mir abspiele, dann kann ich keine unangenehme Diskussion zwischen den Mitarbeitern mehr erkennen. Sie unterhalten sich einfach ruhig miteinander. Und ich fühle mich total gelassen dabei. Wie ist das möglich?“

In diesem Fallbeispiel war die Anwendung des Change-History-Formats erfolgreich! Ab sofort wird Hendrik in Meetings die Ruhe bewahren, auch, wenn es heiße Diskussionen gibt.

*Zurück in die Zukunft* (Back to the Future), directed by Robert Zemeckis, 1985.